Smartphone verloren? Was dann?

Neulich kam mir auf einer Radreise mein Android Smartphone abhanden. Ich hielt mich mit installierter Sicherheitssoftware für vorbereitet. Weit gefehlt. Änderungen für den Notfallplan am Ende des Beitrags.

Ziemlich schnell stellte sich heraus, dass das Konzept dieser und ähnlicher Software und somit leider auch meines, auf Annahmen basiert, die nicht immer erfüllt werden.

  1. Man bemerkt den Verlust sehr schnell (am besten innerhalb weniger Minuten).
  2. Man hat direkt Zugriff auf
    1. einen weiteren Internetzugang
    2. ein Ersatzhandy, dessen Nummer schon bei der Konfiguration des Notfallplans bekannt war und aktuell gehalten wird oder alternativ auf
    3. die Mobilnummer eines Freundes, der dann auch erreichbar ist und Zeit für ein paar SMS-Befehle hat.
  3. Man hat diese Nummern oder die von diskreten Freunden mit Zeit und Internetanschluß im Kopf, was ja heute nicht mehr selbstverständlich ist; alternativ hat man die Kontaktdaten in seinem Ersatzhandy ebenfalls auf dem aktuellen Stand.
  4. Der Akku des Verlustgerätes ist ausreichend gefüllt.
  5. Das Gerät hat auch nach Verlust noch Mobilfunkempfang.
  6. Das Gerät wird schnell von ehrlichen Menschen gefunden.
  7. Das Gerät hat ansonsten freie Himmelssicht für eine GPS-Ortung.

Einige dieser Voraussetzungen mögen bei einem Verlust nahe des Wohnortes erfüllt sein. Aber bei einer (Rad-)Tour über’s Land mit eingeschränktem Gepäck eher nicht.

In meiner Situation traf diesmal fast keine dieser Annahmen zu. Den Verlust bemerkte ich etwa zwei Stunden nach dem möglichen Verlustzeitpunkt. Selbst das Verkehrsamt meiner Aufenthaltsgemeinde machte kein öffentliches Internetterminal verfügbar. Nur ein ganz altes Ersatzhandy, das gute alte Nokia 6320 mit sehr alten Kontaktendaten war greifbar. Wohl dem, der Verwandtschaft mit Internetanschluß hat, die nicht kürzlich umzog, sodass man noch ihre Kontaktdaten hat.

Die SMS-Befehle für die Sicherheitssoftware hatte ich „natürlich“ nicht im Kopf oder auf einem Beipack (dumm!).

Etwa drei Stunden nach dem vermuteten Verlustzeitpunkt fand sich verwandtschaftlicher Telefonsupport für eine Internet-Session mit mir. Das Handy war noch erreichbar, bzw. die SIM Card, denn wer konnte schon sagen, ob diese noch im verlorenen Gerät steckte? Weder über das Online-Portal noch über SMS-Befehle der SIcherheitssoftware bekamen wir positive Rückmeldung vom Gerät, obwohl zumindest der SMS-Empfang immer positiv bestätigt wurden.

War das Gerät schon in den Händen hackfreudiger Finder? Nicht alle Apps lassen sich PIN-schützen. Erst die neue Premiumversion der Sicherungssoftware macht es möglich, gezielt Apps per PIN durch sie zu schützen.
Die Verschlüsselungssoftware für Kartendaten war bereits installiert, doch die Inkraftnahme hatte ich vor Reiseantritt nicht mehr geschafft. (Pech.)

Wie gut, dass ich meine Bahntickets immer (!) auf Papier ausdrucke… Wäre mal interessant, zu erfahren, wie die Bahn mit verloren gegangenen Handies samt Mobilticket umgeht. Wenn Sie das schon erlebten, berichten Sie uns gern unten im Kommentarfeld.

Letztlich ließ ich noch am Verlustabend die SIM-Card durch den Provider sperren und hoffte für den Rest das Beste. Nachdem ich angesichts fehlender Servicenummern (war ja im Handy gespeichert) für mein Ex-Alice-dsl-Handy erst bei o2 durch die Servicecenter hangeln mußte, hatte die helfende Dame viel Mitgefühl und schickte auch gleich die Ersatz-SIM auf den Weg. Auch für deren Aktivierung braucht man dann einen Internetzugang…

Vor der nächsten Reise gibt es also einigen Änderungsbedarf am Notfallplan.

Zusammenfassung eines neuen Notfallplans für Reisen auf’s Land.

  1. Nehmen Sie das Handy nie ohne Sperr-PIN aus dem Haus! (Unter Android kann man das über Profilverwaltung nahezu automatisieren.)
  2. Sicherheitssoftware (z.B. avast!) sauber konfigurieren und auf Stand halten.
  3. Dass Sie Ihre Daten / Apps regelmäßig lokal sichern sollten, muß hoffentlich nicht betont werden. (Geht, außer mit der Sicherheitssoftware, z.B. mit MyPhoneExplorer 1.8.5 – Download bei Heise.de)
  4. Deren SMS-Befehle und die Befehls-PIN an anderer Stelle bei sich haben. (Portemonnaie ist auch nicht gut, falls sie in die Hände von Dieben fallen.)
  5. Keine kompromittierenden Daten auf den Speicherkarten vorhalten. Ggf. verschlüsselt in der (own)Cloud vorhalten und deren Zugangsdaten nur bei Gebrauch eintippen und/oder PIN-schützen. (Infos & Download zu OwnCloud)
  6. Apps durch die Sicherheitssoftware PIN-schützen, z.B. Email, Twitter, XING, etc. (Geht bei Avast! inzwischen in der Premium-Version.)
  7. Nur die nötigsten Zugänge auf dem Handy vorhalten. Ich experimentierte zur Abreise noch mit der App von WordPress und hatte den Zugang zu meinem Blog obendrein noch offen … Lieber lassen!
  8. Wenn irgendwie möglich, Reisetickets als Ausdruck dabei haben.
  9. Die ‚Passwort-vergessen-Funktion‘ vieler Online-Dienste am besten mit einem allgemein unbekannten Nebenmailaccount (z.B. Freemailer) konfigurieren, das nicht auf ihrem Smartphone offenliegt. Sonst kann ein Dieb mit krimineller Energie diese wohlmöglich schneller kapern als Sie selbst die Zugänge geändert haben.
  10. Haben Sie ein Ersatzhandy oder eine zuverlässige Vertretung? Dann geben Sie im Sperrbildschirm Ihres Handys diese Nummer an, nicht die Ihres Festnetzanschlusses. Oder haben Sie für letzteren die Abfragecodes des Anrufbeantworters sicher in der Tasche.

Soweit mein Fazit vorerst.

Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns.

Für weitere hilfreiche Tipps und vereinfachende Sicherheitsmaßnahmen bin ich stets dankbar. Nutzen Sie die Kommentarfunktion. Ich hoffe, meine Erfahrungen können Ihnen nützen.
Letztlich sind die Maßnahmen für jeden immer ein sehr persönliches Abwägen zwischen einfacher Nutzung und erhöhter Sicherheit. Und manchmal fehlt einem auch die Phantasie. Darum meine ausführliche Geschichte dazu.

Glück im Unglück.

Zurück in daheim fand sich dann eine Nachricht auf dem Festnetzanrufbeantworter (dessen Nummer hatte im Sperrbildschirm gestanden) von einer Urlaubsaushilfe eben jenes Supermarktes, die den Fund des Gerätes am Abend des Verlusttages gemeldet hatte und es dann auf vorrübergehendes Nimmerwiedersehen in den Tresor des Marktes legte, ohne Kollegen darüber zu informieren…

P.S. Irritiert hat mich übrigens die Provider-Ansage während meiner SIM-Sperrung:“Diese Nummer ist nicht vergeben.“ Das ging meinen Kontakten leider auch so.

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